Innenansicht des Doms St. Nikolai in Richtung Westen mit Orgel und Orgelprospekt, © Gudrun Koch
Dom St. Nikolai
Der Dom St. Nikolai steht in vielerlei Hinsicht mit dem Maler Friedrich und seiner Familie in Verbindung – er ist der religiöse Anker der Familie Friedrich. Das Wohn und Geschäftshaus der Friedrichs liegt am Nikolaikrichhof. Daher liegt es auf der Hand, dass S.t Nikolai Taufort des Malers und seiner 9 Geschwister ist. Bereits die Eltern Friedrichs, Gottlieb Adolf Friedrich und Sophie Dorothe Bechly aus Neubrandenburg, schlossen hier im Januar 1765 den Bund der Ehe, nachdem sie 1763 nach Greifswald umgezogen waren.
Der Taufbucheintrag Caspar David Friedrichs kann auch heute noch (nach entsprechender Voranmeldung) im Dom besichtigt werden.
Der Vater Friedrichs unterhielt zudem geschäftliche Beziehungen zum Dom. Als Seifensieder und Kerzengießer konnte er schließlich seine Produkte auch für den kirchlichen Betrieb zur Verfügung stellen. Zuvor zeigten sich aber die Provisoren des Doms zunächst besorgt, dass die Herstellung von Seifen und Kerzen aus Unschlitt eine zu starke Geruchsbelästigung für die Kirchgemeinde darstellen könnte.
St. Nikolai wird später wichtiges Bildmotiv in Caspar David Friedrichs Gemälden. So im Verbund mit den zwei weiteren Stadtkirchen Greifswald, St. Marien und St. Jacobi, auf den Gemälden „Wiesen bei Greifswald“ (1820/22, Hamburger Kunsthalle) und „Greifswald im Mondschein“ (1816, Oslo, Nationalgalerie). In dem Ölgemälde „Gartenlaube in Greifswald“ (1818, Neue Pinakothek in München) steht St. Nikolai im Mittelpunkt des Bildes und ist gotisch überarbeitet und überhöht dargestellt.
Der indirekte Einfluss Friedrichs dürfte auch in der unter der Leitung des Malers und Architekten Johann Gottlieb Giese (1787-1838), einem Weggefährte Friedrichs, zwischen 1823 bis 1832 erneuerten Inneneinrichtung von St. Nikolai zu erkennen sein. Der gesamte Innenraum wurde verputzt und erhielt einen sandsteinfarbenen Anstrich. In den Altarbereich wurde ein Binnenchor eingezogen. Den Auftrag für Ausführung der Holzarbeiten erhielt Friedrichs jüngster Bruder und Tischler Christian Joachim Friedrich (1779-1843). Da dieser die Entwürfe und Ideen seines Bruders Caspar David zu Neugestaltungen von Kircheneinrichtungen kannte, ist es wahrscheinlich, dass sie sich in seinen Entwürfen für das Gestühl, Kanzel und die Verkleidung der Orgelempore in St. Nikolai wiederfinden lassen.
Wie lebendig die Erinnerung in der Taufkirche des Malers gehalten wird, zeigt auch die Gestaltung der Chorfenster durch Ólafur Elíasson, welches im Jubiläumsjahr 2024 eingeweiht wurde.
Weitere Informationen:
Evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai
Domstraße 54
17489 Greifswald
Telefon: 03834 2627
Email: hgw-dom@pek.de
Öffnungszeiten des Doms:
Montag – Samstag: 10.00 – 16.00 Uhr
Sonntag (nach dem Gottesdienst): ca. 11.30 – 15.00 Uhr